Veröffentlicht in Das Buch

2) DIE NIERENBIOPSIE

Was für ein Shit!

Erklärt wurde mir das als eine einfache Sache.
Mit einer Art Stanzer wird von der Niere ein winziges Stück raus gestanzt. Die Stelle wird betäubt, also kein großes Ding.
Oder?

Gemacht wurde das nicht in ED…, sondern irgendwo im Landkreis. Na ja, ist nicht so wichtig.
Aber … die ganze Fahrt dorthin … HATTE ICH SCHISS!

Danach lag ich zitternd in irgendeinem Krankenhaus, in Bauchlage auf einer Liege. Ein wirklich sehr unsympathischer Doktor erklärte knapp:

Ultraschall
• Betäubung
• Stanzen

Ganz einfach.

Allein die Bauchlage war für mich wirklich schlimm. Es war das Erste, von vielen, vielen Malen, an denen ich mich hilflos und ausgeliefert fühlte.

Im Prinzip war es so, wie der nicht so nette Doktor erklärte.

• Ultraschall – tut nicht weh
• Stelle abkleben und betäuben – nicht angenehm, aber war schon okay.

Wobei ich sagen muss, dass ich durch diese Bauchlage gezwungen war, einfach alles zuzulassen. Ohne etwas zu sehen, kam das einem absoluten Kontrollverlust gleich. Erst viel später wurde mir klar, dass das extrem wichtig für mich war.

KONTROLLE!

Also, die Stelle war betäubt.

Die Stelle, was bedeutet die Haut. Vielleicht ein bisschen tiefer.
Was mir nicht klar war, weil ich einfach nie darüber nachdachte …

Die Niere – in dem Fall die Linke – liegt ja nicht direkt unter der Haut.
Keine Ahnung, was da zwischen dem Einstich und der Niere lag, ich weiß nur, dass das wirklich richtig weh getan hat. Und als der Doktor meinte, dass es nicht genug Material war und er noch mal ranmuss …

Tja, da hab ich hoffnungslos angefangen zu weinen, was den Doktor natürlich nicht beeindruckte.

Darf es auch nicht, wahrscheinlich.

Natürlich musste er weiter machen, weil es wichtig war. Das Labor brauchte genug Material, um herauszufinden, was nicht stimmte. Ein netter Doktor hätte was Beruhigendes gesagt. Nicht dieser.

Eigentlich weiß ich gar nicht so genau, wie es weiter ging. Aber mir war klar, heulend, auf dem Bauch liegend, werde ich den 2. Versuch nicht überstehen.

ÜBERRASCHUNG!

Ich hab es überstanden. Dummerweise musste ich nach dieser Prozedur noch einige Zeit mit einem Sandsack auf dem Einstich liegen bleiben. Und dann kommt die absolut beste Erinnerung an diesen Tag:

MIR WURDE SCHLECHT!

Mir wurde so richtig übel, was ich dem Doktor auch gesagt habe. Der meinte nur knapp:
»SteIl dich nicht so an, das ist Einbildung.«

Tja, Einbildung war das nicht. Und wie zum Beweis musste ich mich in diesem Moment übergeben. Direkt auf die Schuhe des »netten« Doktors.

UND DAS TAT SO GUT!

Man mag mich verurteilen, aber in diesem Moment war da dieser unsympathische Mann, der mir zweimal weh getan hat. Und das war meine gänzlich ungeplante, vollkommen unbeabsichtigte, aber wunderbare Rache.

Übrigens:
Das war 1987. Gibt es heute eine bessere Art der Biopsie?
Na in jedem Fall gibt es junge, engagierte, nette Ärzte. Ganz bestimmt!

Durch die Biopsie bekam man keine weiteren Erkenntnisse.

Ich weiß noch, dass ein Arzt meinte, dass mein Kreatinin über 2 war. Nach Hause dürfte ich, wenn er unter 2 kam, was aber niemals der Fall war.

Also ging ich wieder heim. Mit nicht ganz so guten Nierenwerten, die alle paar Wochen von einer Münchner Klinik kontrolliert werden sollten.

Alles okay, oder? Nichts hat sich geändert.
Ich war schmerzfrei mit ein bisschen schlechteren aNierenwerten. Was soll’s.

Ich muss zugeben, dass ich in den folgenden Monaten nicht darüber nachgedacht habe. Es einfach so laufen ließ. Die Werte wurden schlechter, ganz langsam. Und alle haben gesagt, dass es okay ist.

OKAY!

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