Veröffentlicht in Das Buch

4) Dialyse? Shunt?

Um das Mal zu sagen, ich war nicht dumm.
Mein Blutdruck war zu hoch und die Tabletten dafür bzw. dagegen. habe ich mehr oder weniger regelmäßig genommen.
Mir war klar, dass meine Blutwerte nicht so gut waren. Wobei ich mich nicht so besonders darum gekümmert habe, was genau Krea, Harnstoff oder Harnsäure bedeutet.
Ich war so um die 20/21 Jahre alt, hatte keine Schmerzen und habe einfach mein Leben gelebt und genossen.
Vielleicht war es gar nicht so gut, keine Beschwerden zu haben. Andererseits war ich immer froh darüber.

Das Witzige ist, wenn ich erzähle, dass ich ein bisschen mit den Nieren habe, dann kommt oft: »Bei mir hat es dahinten auch schon gezogen«, oder »ich hatte da auch schon Schmerzen«.
Meine Antwort war bzw. ist dann: »Echt? Ich noch nie.«

Ich hatte wie die meisten Menschen gute Zeiten aber auch Alltagsprobleme. Irgendwie spielten Blutwerte da eine eher untergeordnete Rolle.
Ich hab sie mir angehört, wenn ich bei meinem Hausarzt saß. Dr. Sch. …, ein Ehepaar.
Ehepaar. Ich bin nicht sicher, aber ich glaube, dass ich eher bei der Frau war, und an diesem Tag bei Herrn Dr. Sch. gelandet bin.

An diesem Tag saß ich also bei ihm, habe mir die Werte angehört und abgenickt. Was sollte ich auch anderes tun. Ändern konnte ich eh nix.
Erst: »Wir sollten mal sehen, dass wir einen Termin machen, wegen des Shunts. Bevor die Dialyse kommt«, ließ mich aufhorchen.

So, oder so ähnlich war es. An diesem Tag, an dem ich tatsächlich anfing, krank zu sein.

Natürlich habe ich was von der Dialyse gehört. Das geht ganz automatisch, wenn man im Krankenhaus auf der nephrologischen Station ist.
Nur hat mich das nie interessiert.
Nierenersatztherapie, das war doch nur was für alte Menschen!
Nach meiner überraschten Reaktion blätterte Dr. Sch. in meiner Akte und meinte:
»Oh, das hätte ich gar nicht sagen sollen.«
»Oh doch«, erwiderte ich. »Und fangen sie damit an, warum sie das nicht sagen sollten.«

Und dann erfuhr ich ALLES …

1) Meine Eltern gaben Anweisung, dass man mir die Wahrheit nicht sagen darf.
Was für ein Shit!
Es fing an, als ich 19 Jahre alt war. Die Ärzte hätten
diesen Scheiß gar nicht mitmachen dürfen. Keine Ahnung wie das ging.
Wahrscheinlich war der Fehler, dass wir die gleichen Hausärzte hatten. Warum auch nicht?
2) Es dauert nicht mehr lange, bis ich Dialyse machen muss.
Die Blutwerte waren wirklich richtig schlecht. Nierenersatztherapie! Ich hatte die ›Alte-Leute-Krankheit!‹, und dazu brauchte man diesen
Shunt.
Mann war ich sauer!
Ich ging nach Hause und stellte meine Eltern zur Rede.
Ich weiß noch, dass sie sagten, sie hätten es nur gut gemeint.
Gut gemeint! Was für ein Shit!

Wie kann man so was verheimlichen?
Im Nachhinein war mir dann natürlich klar, dass die
eiweißarme Ernährung seinen Grund hatte. Auch wenn sie nicht so mein Ding war. Und auch die Tabletten nicht zu vergessen, wäre gut gewesen.
Wenn ich gewusst hätte, wozu das wichtig war, hätte das etwas geändert?
Hätte ich die Dialyse etwas rauszögern können?
Tja, da ist sie wieder, die Zeit, die man nicht zurückdrehen kann. Und in diesem Moment ruft auch noch Dr. Sch. an und sagt meinem Vater, nicht mir, wie ich die Medikamente nehmen soll.
Wow, war ich wütend!
Aber egal, was ich sagte. Für meine Eltern war ich nur undankbar und uneinsichtig.
Natürlich war es auch meine Schuld. Hätte ich nur mehr nachgedacht,
Aber die Wut verpuffte draußen und explodierte in meinem Inneren.
Das sollte nicht das letzte Mal sein.

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