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Der neue Job / technischer Bereich

Die Situation wurde für mich immer unerträglicher.
Da es außerhalb von C… keine Chancen gab, bewarb ich mich innerhalb der Dienststelle.
2 Stockwerke höher, bei Herrn O…, der mir beim Bewerbungsgespräch freundlich erklärte, dass für ihn die Sache mit der Dialyse kein Problem wäre.
Gemacht, getan. 3. Stock, ULB – ich komme.

Aber ich hätte wohl wissen müssen, dass ein Wechsel innerhalb des Hauses und der befreundeten Chefs unter Big Boss, keine so gute Idee war.
Lächelnd und freudig meldete ich mich ordnungsgemäß bei Herrn O….
Der begrüßte mich und meinte:
»Sie brauchen sich nicht einbilden, dass Sie eine Tätigkeitsdarstellung bekommen. Sie machen das, was die Anderen nicht mögen.«

Da war er wieder, der Donnerschlag, der mich mit voller Wucht traf. Ein paar Worte, und ich wusste bescheid.
Ich war nichts wert, das zeigte man mir wieder sehr deutlich. War ich wirklich so dumm, zu glauben, dass sich etwas ändern würde?
Ja, das war ich!

Der technische Bereich

Das, was keiner machen wollte, sollte sich nur wenige Minuten nach meiner Ankunft zeigen. Im technischen Bereich ging jemand in Rente und ich sollte eingearbeitet werden.
Ich war dort noch nie, und mächtig angespannt.

Ein netter älterer Herr stellte sich mit Herr JN… vor. Er sollte mich einarbeiten. Das Ganze lief etwa so ab:
ER: »Auf dieser Seite ist die Lohnbearbeitung, das ist wichtig und muss täglich geführt werden, sonst bekommen die Arbeiter ihr Geld nicht. Auf der anderen Seite finden Sie alles, was für die Meister wichtig ist. Dazu gehören auch alle Schreiben am Computer. Kennen Sie sich mit Word und Exel aus?«
ICH: nicke
ER: »Schön, dann kommen Sie ja zurecht. Ich werde mich dann mal verabschieden. Ab sofort bin ich in Rente.«

Sprachlos sah ich ihm hinterher und ließ das Ganze erst mal sacken.
Okay, ich war in einem absolut fremden Bereich, in dem ich keinen kannte. Ich sollte Lohnbearbeitung machen, von der ich nur wenig Ahnung von meiner Ausbildung hatte.
EIN WENIG!

Das Ganze sollte täglich stattfinden, sonst bekommen die Arbeiter ihr Geld nicht korrekt.
SUPER!
Ich war ja 2 Tage die Woche nicht da.
Ein kleiner Lichtblick war der Computer. Damit kannte ich mich aus.

Mutterseelenallein saß ich in diesem Büro, das wohl für 2 eingerichtet war, und überlegte, wie ich das nur schaffen sollte.
UNMÖGLICH!
Man hatte mich ins kalte Wasser geschmissen, was ja noch okay war. Man hat mir nur nicht gesagt, dass ich mitten im Ozean schwamm, ohne Aussicht auf Land.
So fühlte ich mich in meiner Einsamkeit, die nicht lange anhielt.

Ein Mann kam herein. Ich nenne ihn mal Meister 1 und fragte, wo Herr JN… ist.
»In Rente«, antwortete ich.
»Oh, heute schon. Hat er gar nicht gesagt. Und Sie sind die Aushilfe?«
»Ja, Aushilfe.«
Wir stellten einander vor. Darauf folgte ein kurzes Gespräch, in dem sehr schnell rauskam, dass ich so gut wie nicht wusste, was zu tun war. Und dass ich nur 3 Tage da war, habe ich auch gebeichtet.
Schnell bot mir Meister 1 das ›DU‹ an und meinte:
»Mach Dir keine Sorgen. Hier hilft Dir jeder. Frag, wenn Du was nicht weißt. Und das mit der Lohnbearbeitung ist kein Problem. Wenn Herr JN… nicht da war, dann haben wir das auch hinbekommen.«
WOW!

Zum ersten Mal seit 2 Jahren hörte sich das gut an.
RICHTIG GUT!
Sofort schlichen sich negative Gedanken ein.
›Das kann nicht sein.‹
›Das hält ganz sicher nicht lange.‹
›Dir passiert so was nicht.‹
UND WIE ES PASSIERTE!

Es stellte sich heraus, dass da 7 Meister waren, jeder für sein Handwerk wie Schreiner, Maler, Elektriker usw. Dazu ein Chef für alle.
Ich hatte einige Zeit gebraucht, um zu begreifen, dass es mir an diesem Arbeitsplatz gut ging.
RICHTIG GUT!

Was zählte, war Leistung. Egal wie, man verlangte von mir, dass ich rechtzeitig, gute Arbeit ablieferte. Und das konnte ich.
Endlich hatte ich das Gefühl, dass sich meine Ausbildung lohnte.
Keine Erbsenzählerei und Fehlersuche. Keine ständigen Vorwürfe und Sticheleien.
Tja, was soll ich sagen, hier war ich Frau Falk oder Kerstin. Nicht die Kranke, die eigentlich nur so tat als ob, und dafür auch noch für 5 Tage Geld bekam.
Hier war ich Mensch.
WOW! Cool oder!!

Für meine 2 Fehltage fand man schnell eine Lösung.
Da war ein Elektriker, der aus irgendeinem Grund nicht mehr auf eine Leiter steigen konnte. Er kam zu mir ins Büro und kümmerte sich von da an um die tägliche Lohnbearbeitung.
Ich war von nun an für alles zuständig, was die Meister oder der Chef verlangten.
Wir waren ein tolles Team und hatten viel Spaß im Büro. So stellte ich mir arbeiten vor.
Als einzige Frau unter 9 Männern hatte ich anfangs Bedenken, was aber nicht notwendig war.
Es war einfach toll!

Irgendwie blieb ich an diesem Platz hängen und war darüber überglücklich.
Nach etwa einem Jahr wurde die Stelle offiziell ausgeschrieben. Da ich die Arbeit immer zur Zufriedenheit erledigte, bewarb ich mich auf den Posten. Ich hoffte sehr, dass ich dortbleiben konnte, und war eigentlich sicher, dass nichts dagegen sprach.

Da hatte ich die Rechnung aber ohne Big Boss gemacht.
Anscheinend hatte er das ganz übersehen. Aber dass sich Frau Falk wohlfühlte, das konnte auf keinen Fall sein.
Also wurde ich zu ihm ins Haupthaus beordert, was ja mal nix Gutes bedeuten konnte.
Wie Recht ich hatte!

Mündlich teilte er mir mit, dass ich den Posten nicht bekomme, weil die Arbeit in 3 Tagen nicht zu schaffen sei.
»Wir haben das im letzten Jahr doch gut hinbekommen, Herr L… und ich«, entgegnete ich.
»Die Stelle wird neu besetzt, Herr L… muss zurück in die Werkstatt. Und Sie kommen ins Haupthaus,« teilte mir Big Boss nüchtern mit.