Veröffentlicht in Das Buch

14.2) Die Hochzeit

Das Standesamt

Wir sagten dem Standesbeamten, dass wir keine kirchliche Trauung hatten. Er sollte es so schön wie möglich gestalten, inklusive dem Wechsel der Ringe.

Mann, war ich aufgeregt. In wenigen Minuten würde ich diesen verdammt gutaussehenden Mann heiraten.
Auch wenn mir meine Kleidung nicht gefiel, dafür strahlte er umso mehr mit seinem blauen Anzug.
Dazu muss ich noch sagen …
Ich wollte auf keinen Fall in schwarz heiraten, obwohl das meine Farbe ist. Die Farbauswahl ging also auf mein Konto.

Die Spannung war kaum auszuhalten, bis wir aufgerufen wurden.
Und dann ging alles ganz schnell.
Turboschnell!
Der Standesbeamte raste durch das Programm und vergaß am Ende auch noch den Ringtausch. Das holten wir dann selbst ganz schnell so zwischen den Unterschriften nach.
Fakt ist, dass die Zeremonie viel zu schnell und so gar nicht schön war.

Und dann unterschrieb ich das erste Mal mit meinem
Namen: Dorfner

Wie so oft vorher fragte ich mich, warum mich dieser wundervolle Mann heiratete.
Gerade mich, die Unscheinbare, Kranke …

Die Feier
Das Desaster fing gerade erst an.
Nach der Turbo-Trauung fuhren unsere Gäste – es waren nicht viel, so 20 bis 30 – in die Wirtschaft, während wir zum Fotografen gingen.
Das mit den Fotos hat geklappt.
Für diesen Tag ein echtes Wunder.

Unsere Gäste sollten mit einem Glas Sekt empfangen werden, um die Wartezeit zu überbrücken.

So ein Sektempfang ist einfach eine schöne Sache. Wenn es klappt.
Als wir aber nach dem Fototermin im Gasthaus ankamen, hatten noch lange nicht alle ein Glas bekommen. Warum das nicht klappte, war mir nicht klar. Schließlich waren es nur ein paar Leute.
Ein Sektempfang, wie ausgemacht, stellte ich mir anders vor.

Es ging weiter:
Der Wirt hatte für unsere Gesellschaft und eine weiteren kleinen im Nebenzimmer, nur eine Bedienung abgestellt, die auch noch alle Getränke selbst zapfen musste.
Bedeutet, dass alles sehr lange dauerte.
Teilweise so lange, dass wir gefragt wurden, ob man nur ein Getränk bestellen durfte, weil das Zweite einfach nicht kam. Das war mir echt peinlich und ärgerte mich sehr.

Das Essen, obwohl gerade mal 2 abgemachte Gerichte, kam eher ›tröpfchenweise‹, so dass ein gemeinsames Essen nicht möglich war. Mein Vater bekam sein bestelltes Gericht erst gar nicht.
Also, das reinste Desaster.

Ich hätte heulen können, wäre da nicht die Tatsache, dass ich DIESEN Mann geheiratet habe. Den Mann, den ich über alles liebte.

Glaub es oder nicht: Noch heute, über 21 Jahre später, kribbelt es in meinen Fingern, wenn er meine Hand nimmt. Wenn er mir einen Kuss gibt, wird mir warm. Tja, es gibt sie doch, die Schmetterlinge im Bauch, das Schweben durch den Raum, die Wärme ums Herz, oder wie man es noch beschreiben könnte.

So war der 17.07.1998 zwar ein Desaster, aber die Jahre, die folgenden dafür besser – für mich.