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Schmerzstufe 0 bis 10

Wenn man mit Schmerzen zu einem Arzt oder eine Klinik geht, wird man immer gefragt:

“Wie stark sind die Schmerzen auf einer Skala von 0-10. Wobei 0 gar kein Schmerz, und 10 unerträglich. Ist“

Und da fängt für mich schon immer das Problem an.
Oft dachte ich, dass ich unerträgliche Schmerzen hatte, wurde aber eines besseren belehrt, als ich feststellen musste, dass es doch noch stärker geht.

Seit ich mit der Polyneuropathie zu kämpfen habe, dachte ich oft, dass ja eigentlich nicht noch mehr kommen kann. Aber klar … Schlimmer geht immer.

Seit ein paar Wochen ist, wie sich jetzt herausstellte, eine Durchblutungsstörung dazu gekommen. Ich wusste das nicht, dachte, dass die Polyneuropathie wieder mal schlimmer geworden ist.

Schmerzstufe 10
gebe ich eigentlich nie an.


Irgendwie möchte ich mir da noch ein bisschen Luft nach oben lassen.
Na ja, vielleicht auch, weil ich nicht wehleidig sein möchte.

Als ich mich diese Woche aber freiwillig Richtung Krankenhaus begeben habe und man mich dort nach der Schmerzstufe erkundigte, war meine Antwort:

“Von 0 bis 10 eine glatte 12!“

Ich hätte auch 15 oder 20 angeben können. Schlimmer kann ich mir Schmerzen beim besten Willen nicht mehr vorstellen.

Ein sehr netter Arzt gab mir eine Schmerzpumpe.
Wirklich eine tolle Sache.


Sobald der Schmerz mehr wird drückt man auf eine Knöpfchen und bekommt eine bestimmte Menge an Schmerzmitteln. Das kann man, wenn nötiger, so alle halbe Stunde wiederholen.

Damit wird das Ganze durchaus erträglich.

Mit dem öffnen der Engstellen sollte die Durchblutungsstörung behoben werden und damit die Schmerzen deutlich zurück gehen.

Das hoffen die Ärzte, und vor allen natürlich ich.

Das Ganze dann am Montag.
Ich bin aufgeregt, aber freue mich auch, dass es besser werden kann.

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17.1) Das Schlimmste und die Transplantatniere

Alles nur psychisch
Ich finde, dass Schlimmste was passieren kann, ist, wenn ich mit einem Problem zum Arzt gehe, mich anvertraue, und ich bekomme gesagt:

• »Das gibt es nicht« oder
• »Es gibt kein Problem« oder
• »Sie haben nichts, es ist alles in Ordnung.« • usw.


Wobei
»Das gibt es nicht«
ganz oben im Ranking steht.

Ganz ehrlich, wenn ein Arzt sagt, dass es die Schmerzen, die du hast, nicht gibt, was soll man da sagen? Ein Totschlagargument, dem man nichts hinzufügen kann.

So ist mir das mit der Dialyse ergangen, als ich jedes Mal Migräne hatte. 4 Jahre, dreimal die Woche.
»Das gibt es nicht, das hat nichts mit der Dialyse zu tun“, bekam ich ständig gesagt.

Nur ein paar Knöpfe gedrückt, und das Problem war behoben. Doktor B… wusste das auf Anhieb. Sofort, als ich es ihm schilderte.
Das Problem gab es eben doch.

Das Allerschlimmste
Ich muss mich korrigieren.
Das allerschlimmste Erlebnis hatte ich bei einem Orthopäden.

Ich hatte immer die Schmerzen in den Füßen und Zehen. Damals war nicht klar, was das war. Ein Arzt im Krankenhaus meinte, ich solle mir einen Überweisungsschein für ein MRT holen. Also ging ich zu besagten Orthopäden und erklärte ihm die Situation. Er wollte alles über meinen Gesundheitszustand wissen, was ich ihm bereitwillig sagte. Nachdem er alles über meine Dialysezeit erfuhr, fragte er mich:

»Wissen Sie, was so ein MRT kostet? Das lohnt sich doch gar nicht mehr für Sie, bei Ihrem Krankheitsbild.«

Das war wirklich das Schlimmste, was ich je von einem Arzt hörte.
In seinem Zimmer behielt ich die Fassung und überredete ihn, mir diesen Schein zu geben.

Unter seiner Praxis war ein Orthopädieschuster. Der wurde sofort geholt, damit er Abdrücke für Einlagen machen konnte. Ich erklärte, dass ich einen eigenen Schuster hatte, der das zu meiner vollen Zufriedenheit erledigte. Das Rezept bekam ich gar nicht zu sehen, nur kurz zur Unterschrift. Erst danach erhielt ich den Überweisungsschein. Die Einlagen habe ich zwar geholt, aber nie verwendet. Sie waren das krasse Gegenteil, von meinen Gewohnten.

Ich ließ es zu. Keine Ahnung warum. Ich hätte dem Arzt so einiges erzählen müssen. Die Einlagen gar nicht annehmen sollen.

Als ich die Praxis verließ, gleich nach der Türschwelle, liefen die Tränen. J… wartete draußen und fragte, was los sei.

»Ein MRT ist zu teuer. Es lohnt sich nicht mehr für mich«, schluchzte ich.
»Hat das der Arzt gesagt?«
»Ja.«

Dann erzählte ich ihm von dem Rezept, das ich nicht bekam. Von den Einlagen, die ich nicht wollte, aber ausmessen lassen musste.
Bestellen musste.

»Ich geh da rein«, sagte J…. »Dem sag ich die Meinung.«
Ich hätte ihn gehen lassen sollen. Aber ich hielt ihn zurück, weil es ja keine Zeugen gab. Ich glaube, ich habe das gemacht, weil ich selbst glaubte, dass es sich nicht mehr lohnte. Dass es wieder etwas war, bei dem ich Schuldgefühle bekam. Ich koste der Gesellschaft zu viel, und konnte nichts zurückgeben.
Das war das Schlimmste, was ich je von einem Arzt hörte.

Also, zurück zu alles nur psychisch
Ich hatte Schmerzen an der Transplantatniere. Wochenlang klagte ich, nahm viele Schmerzmittel, um überhaupt schlafen zu können.

»Das gibt es nicht. Das was Sie beschreiben, gibt es nur am Anfang der Transplantation.«
Was sollte ich da dagegensetzen?

Natürlich wusste ich, dass die Transplantatniere keine Nerven hatte. Sie konnte also eigentlich nicht weht tun, oder?
Tat sie aber!

Nachdem ich 13 Jahre lang keine Schmerzen hatte, bin ich mit der Dialyse zum Hypochonder geworden?
Ganz ehrlich, beinahe glaubte ich das.
Aber ich ließ nicht locker. Sprach das Problem, das es eigentlich nicht gab immer wieder an.

Einmal sagte die Ärztin:
»Wir versuchen es mit Cortison. Wenn das hilft, ist es eine Abstoßung, wenn nicht, dann ist es keine.
Cortison? Im Ernst?
Nach meinen Erfahrungen mit diesem netten Medikament wurde mir sofort heiß. Allein bei dem Gedanken schwoll mein Gesicht zum Basketball an und ich nahm 30 kg zu. So fühlte es sich sofort an.
»Ganz sicher werde ich nicht mit Cortison experimentieren«, antwortete ich.

Als ich zur Dialyse B… kam, wusste Doktor B… auch
nicht, woran das liegen konnte.
Aber zum Glück glaubte er mir.

Er machte eine Ultraschalluntersuchung, schickte mich zum Frauenarzt und nahm bei jeder Dialyse Blut ab. Der CRP, ein Blutwert, der eine Entzündung anzeigt, stieg stetig an. Nach 2 Wochen war für ihn klar, dass die Transplantatniere stark entzündet war und raus musste.
Er gab nicht auf. Danke!