Veröffentlicht in Das Buch

17.8) Bauch-OP mit Folgen

Ich hatte unzählige Operationen.
Davon, klar, die Transplantation, die Niere wieder raus. Die Gallenblase wurde entfern, genau so wie die Gebärmutter.

Unendlich viele Shuntoperationen, Bypass für die Hand, und noch mehr, an die ich mich nicht mehr erinnere.

Insgesamt wurde ich 4 Mal am Bauch operiert.
Immer wieder gab es Probleme mit der Wundheilung.
Und jedes Mal schlimmer.

Es war, bzw. ist wirklich nervig. Tatsächlich habe ich heute noch eine offene Stelle.
Ich glaube, es war bei der 2. Operation. Die Fäden wurden gezogen und alles schien okay. Doch als der Verband am nächsten Tag gewechselt wurde, war die Wunde wieder aufgegangen.
Was für ein Anblick!

Der Schnitt ging von unterhalb des Bauchnabels bis zu den ersten Rippen.
Und das war offen.
Echt gruselig.
Nachdem das wieder ›repariert‹ wurde, wollte es nicht mehr heilen.

Nach der 3. Operation war es von Anfang an schwierig.
Ich bekam einen Verband mit Vakuum, der 3 Mal die Woche gewechselt wurde. Jedes Mal mit einer kleinen Narkose. Immer wieder wurde ›faules Fleisch‹ entfernt. Damit wurde das ganze natürlich nicht kleiner.

Man entschied sich für eine Hauttransplantation.
Von meinem Oberschenkel an meinen Bauch.
Na ja, warum nicht?
Bei den ganzen Narben also dann auch noch das.
Und da die Wunde bereits meinen Bauchnabel erreichte, musste der auch daran glauben.
Also echt, so ein Bauch ohne Nabel sieht extrem doof aus. Man sollte meinen, dass dieses kleine Ding keine große Rolle spielt. Vor allem unter den ganzen Narben.
Aber ehrlich, ich vermisse meinen Bauchnabel.

Neben diesen ganzen kleinen Operationen war da ja noch Montag, Mittwoch und Freitag die Dialyse.
Das war extrem anstrengend. Aber es sollte noch schlimmer kommen.

Der Norovirus

Ich erinnere mich, dass ich Durchfall hatte. Und dann, dass mir in der Nacht extrem schlecht wurde.

Das war am Donnerstag vor Neujahr.
Bis auf kleine Erinnerungsfetzen wie, die Ärztin steht an meinem Bett, oder wie ich irgendwo hingeschoben wurde, war da nichts mehr.

Als Nächstes wache ich auf und wundere mich, dass sowohl Handy als auch das iPad komplett leer waren. Ich steckte sie an das Ladegerät und rief sofort J… an. Der meinte:
»Wundere Dich nicht, wir haben heute den 1. Januar.«
Er erklärte mir, dass er am Donnerstag noch bei mir war, was ich nicht mehr wusste.
Es stellte sich heraus, dass ich den Norovirus erwischte.

Am Freitag wollte J… mich besuchen. Er war bereits in BZ…, als er merkte, dass auch er diesen Virus hatte. Ich schätze, dass er sich wohl bei mir ansteckte.

Sonntag war dann der 1. Januar.
Was war Freitag und Samstag passiert?
Wieder die Kontrolle verloren und keinen Schimmer.
Was für ein misst!

Der Durchfall und die Übelkeit wurden besser.
Aber ich weiß noch, egal was ich zum Essen bekam, alles schmeckte nach Erbrochenen.
Nach Norovirus.

Jemand erklärte mir, dass es ab Februar mit diesem wieder losgeht.
Und das gemeine ist, dass er 72 Stunden vor dem Ausbruch bereits ansteckend ist.
Ich hoffe, dass ich diese Bekanntschaft nie wieder machen muss.

Als auch das überstanden war, war der Weg zur nächsten Katastrophe frei.

Anders sehen

Ich wachte morgens auf, bzw. wurde wie immer geweckt. Der erste Eindruck war, dass irgendwas anders war. Aber ich konnte das nicht richtig einordnen.

Bei der Visite sagte ich, dass ich irgendwie komisch sehe. Der Arzt lächelte:
»Aha, Sie sehen komisch.«
Na was sollte er sonst machen. Meine Angaben waren alles andere als präzise.

Erst mit der Zeit wurde mir klar, dass der Grund mein linkes Auge war. Das Gesichtsfeld war stark eingeschränkt. Als ich es J… erzählte, ging er gleich zu Dr. K…, die sofort reagierte. Ein Neurologe kam und machte so allerlei Tests.

Da mit meinem Kopf zum Glück alles in Ordnung war, entschied man, dass ich nach München in die Augenklinik sollte. In diesem Fall eine Station im RR.

Die Fahrt dort hin war cool. Mir ging es nicht schlecht, deshalb konnte ich mich mit dem netten Sanitäter unterhalten. Wenn es einem nicht ›kotzig‹ geht, kann so eine Fahrt im Krankenwagen auch Spaß machen.

Die Angst saß mir im Nacken. Ich versuchte, nicht darüber nachzudenken, was das sein könnte.

Beim Augenlicht hört der Spaß auf.
J… fuhr mit dem Auto nach München und wir trafen uns in der Klinik. Zusammen warteten wir auf der Station.

Da es bereits Abend war, kam ich als Notfall, wie auch noch ein paar andere Patienten.
Wir warteten und warteten. Es schien kein Ende in Sicht.
Uns wurde gesagt, dass der zuständige Arzt alleine war und noch weitere Stationen zu betreuen hatte.

Nach Stunden, ich glaube, es war bereits 22:00 Uhr, kam ich dran. Bis dahin glaubte ich, dass das schon wieder wird.
Auch der Arzt war erst mal irritiert. Es schien alles in Ordnung, bis auf die Einschränkung im Gesichtsfeld. Er rief die Oberärztin an, die extra wegen mir ins Krankenhaus fuhr. Deshalb dauerte das nochmal eine Ewigkeit.
Die Ärzte diskutierten, untersuchten mich und diskutierten weiter.

Dann erklärte mir die Oberärztin:
»Sie hatten so etwas wie einen Schlaganfall im Auge. Durch den extrem niedrigen Blutdruck sind die Augen unterversorgt.«

»Und was machen wir jetzt?«, fragte ich.
»Da kann man nichts machen«, war die nüchterne Antwort.

Ich war irritiert. Nicht, dass das eine Kleinigkeit wäre. Ich sehe nur noch wenig auf dem linken Auge. Du kannst Dir vorstellen, dass ich mich etwas aufregte.

Die Ärztin holte mich schnell runter mit:
»Seien Sie froh, dass es so ist. Sie hätten das im Kopf haben können, dann wären Sie schwer behindert oder sogar tot.«

Also sollte ich mich freuen, konnte es aber nicht.
Heute habe ich mich daran gewöhnt, dass ich komisch, oder anders sehe.

TIA
Einmal sagte mir ein Kardiologe:
»Mit dem niedrigen Blutdruck bekommen Sie wenigstens keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall.«

Leider hatte er nicht recht.
Einmal hatte ich eine TIA, so etwas wie ein Vorbote vor einem Schlaganfall.

Ich weiß noch, dass wir beim Essen waren, da fühlte sich schon irgendwas komisch an. Wieder mal, was ich nicht einordnen konnte. Aber es war nicht schlimm oder schmerzhaft, deshalb dachte ich nicht viel darüber nach.

Am Nachmittag gingen J… und ich ins Fitnessstudio.
Auf dem Rudergerät merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Als ich aufstand, war die linke Seite irgendwie leichter. Als ob die Anziehungskraft rechts die Erde war und links der Mond.

Ich sagte es J… und meinte:
»Ist wohl besser, wenn wir ins Krankenhaus fahren.«
Das Packen und die Fahrt nach München dauerte etwa eine Stunde. Bis dahin war das Gefühl weg und ich sicher, dass wir gleich wieder nach Hause können. Fast wäre ich gar nicht ins Krankenhaus gegangen. Aber Miss Vernunft entschied, dass ich das zumindest mal einem Arzt erzählen musste.

Eigentlich drehte ich immer am Rad, wenn ich in der Notaufnahme war.
Diesmal war es genau andersrum.
Ich musste sofort auf die Intensivstation und bekam Blutverdünner.

»Sie hatten eine TIA, das ist ein Vorbote vom Schlaganfall. Gut, dass Sie gekommen sind. Das hätte schlimm ausgehen können.«

72 Stunden musste ich auf dieser Station bleiben. Und ich musste dort Patienten sehen, die viele Folgeschäden auf Grund eines Schlaganfalls hatten.
Ich hoffe, dass mir das erspart bleiben wird.

Aber durch den extrem niedrigen Blutdruck ist mein Kopf unterversorgt. Ich könnte dadurch wieder eine TIA oder Schlimmeres bekommen. Und die Augen leiden auch darunter.

In der Augenklinik sagte man mir:
»Suchen Sie sich einen guten Internisten und sehen Sie, dass der Blutdruck nach oben geht.«
Der gute Internist sagt:
»Es gibt keine Möglichkeit mehr. Fragen Sie doch in der Augenklinik, was denen einfällt.
Aber die sagen:
»Wir sind nur Augenärzte.«

Eine verzwickte Situation, unter der ich leide.
Einmal fragte ich:
»Ich habe das links über Nacht bekommen. Kann es sein, dass ich aufwache, und ich sehe auch auf dem rechten Auge nicht mehr?
»Ja«, war die Antwort.
»Dann könnte ich über Nacht blind werden?«
»Ja.«
WAS FÜR EIN SHIT!

Ich bin oft die ganze Nacht auf, weil ich Angst habe, dass ich blind werde.
Dass am nächsten Morgen alles schwarz ist.

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