18.1) Nierenbiopsie die 2.

Nach etwa 10 Jahren fing meine transplantierte Niere an ›krank‹ zu werden.

Mir war immer klar, dass die Transplantation keine ewige Sache sein würde.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das viele nicht wissen.

Ich habe von Nieren gehört, die 30 Jahre lang hielten. Aber ich denke, das ist eher die Ausnahme.
Ein Doktor erklärte mir, dass die durchschnittliche Lebensdauer eines Spenderorgans etwa 9,5 Jahre beträgt. Da war ich, mit meinen 10 Jahren nicht schlecht dran. Und es fing ja erst an.

Aber da waren sie wieder, die ständigen Kontrollen und Verschlechterungen. Diesmal wusste ich Bescheid und konnte das ganze nicht ignorieren oder lächelnd abnicken.

Und dann sollte ich zur Nierenbiopsie.
Scheiße – hatte ich Angst!
Zu deutlich waren die Erinnerungen an meine erste.

Auch wenn die transplantierte Niere nun im Bauch war, passte die Erklärung des Arztes, dass es keine große Sache sei, nicht in meine Vorstellung. Schließlich hatte man das damals auch gesagt.

Beim Runterfahren in den Untersuchungsraum war ich noch ganz mutig.
Aber dann ging es los!
Zuerst kamen ein paar versteckte Tränchen, dann habe ich hoffnungslos angefangen zu heulen. Es war mir zwar peinlich, aber die Tränen liefen unkontrolliert.

Eine Schwester kam, und fragte, was denn mit mir los ist.
Als ich ihr von meiner Panik erzählte, und dass damals ja auch alle sagten, es wäre keine große Sache, lächelte sie:
»Es ist wirklich kein Ding. Die Niere liegt ja jetzt direkt unter der Haut. Sie werden sehen, das ist schnell vorbei.«
Ich hatte panische Angst, alleine bei der Spritze, die die Haut betäubte.
Der Arzt, der diesmal sehr freundlich war, zeigte mir das ›Stanzgerät‹.
Und als er anfing, machte ich mich auf alles gefasst. Alles, bis zu Schmerzstärke 10 und grauenhafte Übelkeit mit übergeben.

Ich hörte ein ›klick‹, und dann … nichts.
Ein weiteres Klicken … wieder nichts.
Kein Schmerz, keine Übelkeit.
Fast schämte ich mich für mein Verhalten, was, durchaus etwas peinlich war.

Die Untersuchung brachte das Ergebnis:
Die Niere geht kaputt. Das Ganze war nur noch eine Frage der Zeit.
Nun gut, jetzt hatte ich es amtlich. Es ging von vorne los. Nur wusste ich diesmal genau, was auf mich zukam.

2) DIE NIERENBIOPSIE

Was für ein Shit!

Erklärt wurde mir das als eine einfache Sache.
Mit einer Art Stanzer wird von der Niere ein winziges Stück raus gestanzt. Die Stelle wird betäubt, also kein großes Ding.
Oder?

Gemacht wurde das nicht in ED…, sondern irgendwo im Landkreis. Na ja, ist nicht so wichtig.
Aber … die ganze Fahrt dorthin … HATTE ICH SCHISS!

Danach lag ich zitternd in irgendeinem Krankenhaus, in Bauchlage auf einer Liege. Ein wirklich sehr unsympathischer Doktor erklärte knapp:

Ultraschall
• Betäubung
• Stanzen

Ganz einfach.

Allein die Bauchlage war für mich wirklich schlimm. Es war das Erste, von vielen, vielen Malen, an denen ich mich hilflos und ausgeliefert fühlte.

Im Prinzip war es so, wie der nicht so nette Doktor erklärte.

• Ultraschall – tut nicht weh
• Stelle abkleben und betäuben – nicht angenehm, aber war schon okay.

Wobei ich sagen muss, dass ich durch diese Bauchlage gezwungen war, einfach alles zuzulassen. Ohne etwas zu sehen, kam das einem absoluten Kontrollverlust gleich. Erst viel später wurde mir klar, dass das extrem wichtig für mich war.

KONTROLLE!

Also, die Stelle war betäubt.

Die Stelle, was bedeutet die Haut. Vielleicht ein bisschen tiefer.
Was mir nicht klar war, weil ich einfach nie darüber nachdachte …

Die Niere – in dem Fall die Linke – liegt ja nicht direkt unter der Haut.
Keine Ahnung, was da zwischen dem Einstich und der Niere lag, ich weiß nur, dass das wirklich richtig weh getan hat. Und als der Doktor meinte, dass es nicht genug Material war und er noch mal ranmuss …

Tja, da hab ich hoffnungslos angefangen zu weinen, was den Doktor natürlich nicht beeindruckte.

Darf es auch nicht, wahrscheinlich.

Natürlich musste er weiter machen, weil es wichtig war. Das Labor brauchte genug Material, um herauszufinden, was nicht stimmte. Ein netter Doktor hätte was Beruhigendes gesagt. Nicht dieser.

Eigentlich weiß ich gar nicht so genau, wie es weiter ging. Aber mir war klar, heulend, auf dem Bauch liegend, werde ich den 2. Versuch nicht überstehen.

ÜBERRASCHUNG!

Ich hab es überstanden. Dummerweise musste ich nach dieser Prozedur noch einige Zeit mit einem Sandsack auf dem Einstich liegen bleiben. Und dann kommt die absolut beste Erinnerung an diesen Tag:

MIR WURDE SCHLECHT!

Mir wurde so richtig übel, was ich dem Doktor auch gesagt habe. Der meinte nur knapp:
»SteIl dich nicht so an, das ist Einbildung.«

Tja, Einbildung war das nicht. Und wie zum Beweis musste ich mich in diesem Moment übergeben. Direkt auf die Schuhe des »netten« Doktors.

UND DAS TAT SO GUT!

Man mag mich verurteilen, aber in diesem Moment war da dieser unsympathische Mann, der mir zweimal weh getan hat. Und das war meine gänzlich ungeplante, vollkommen unbeabsichtigte, aber wunderbare Rache.

Übrigens:
Das war 1987. Gibt es heute eine bessere Art der Biopsie?
Na in jedem Fall gibt es junge, engagierte, nette Ärzte. Ganz bestimmt!

Durch die Biopsie bekam man keine weiteren Erkenntnisse.

Ich weiß noch, dass ein Arzt meinte, dass mein Kreatinin über 2 war. Nach Hause dürfte ich, wenn er unter 2 kam, was aber niemals der Fall war.

Also ging ich wieder heim. Mit nicht ganz so guten Nierenwerten, die alle paar Wochen von einer Münchner Klinik kontrolliert werden sollten.

Alles okay, oder? Nichts hat sich geändert.
Ich war schmerzfrei mit ein bisschen schlechteren aNierenwerten. Was soll’s.

Ich muss zugeben, dass ich in den folgenden Monaten nicht darüber nachgedacht habe. Es einfach so laufen ließ. Die Werte wurden schlechter, ganz langsam. Und alle haben gesagt, dass es okay ist.

OKAY!