17.4) BZ – Bauch-OP

Nach einem Herzstillstand wurde ich zur Reha nach BZ… geschickt.
Im Gepäck zwischen Kleidung und Co. natürlich …
Palladon!

Als es also so weit war, und die Attacke anfing, dachte ich mir nicht viel dabei. Schließlich war ich gut bewaffnet, und bis zum nächsten Morgen hielt ich das aus.
Wobei ich sagen muss, dass es so alleine im Zimmer der Klinik viel schwerer war als mit J… zu Hause.

Ich wartete also, bis ich einschlief oder die Schmerzen zumindest ein wenig besser wurden.
NIX!
Ich hatte den Eindruck, je mehr ich Palladon nahm, desto stärker wurden die Schmerzen. Wenn ich dachte, schlimmer geht es nicht, stieg der Pegel an. Aus Schmerzstufe 12 wurde 13, 14, 15…

Ich krümmte mich im Bett und heulte, bis ich dann doch klingelte. Keine Ahnung wie man mir helfen konnte, so ging es nicht mehr.
Sofort entschied man, dass ich ins Krankenhaus musste.
Ich weiß noch, dass der Notarzt kam und mir die Sanitäter auf die Trage halfen.
Ich wurde was gefragt, und ich glaube, ich habe auch geantwortet.
Aber da war nur SCHMERZ, SCHMERZ, SCHMERZ!

Im Krankenhaus angekommen entschied man, mir einen ZVK zu legen.
»Ich kann nicht mehr«, hab ich dem Arzt gesagt.
»Wir haben es gleich, dann bekommen Sie was. Geht ganz schnell.«

Er war echt meganett. Wie so ein grauhaariger Opa mit Bart und einem Lächeln.
»Ich hab Palladon genommen, viel, hilft nicht.«
Da war er wieder, der Kopf. Die Vernunft, die das dem Doktor sagen musste.
Vor allem weil ich wusste, dass es zu viel war.

Da kam wieder die Frage, die ich öfter hörte:
»Wieso Palladon? Das ist eigentlich nicht gegen Bauchschmerzen.«
Ich hab mir nie etwas dabei gedacht. Schließlich bekam ich die Tabletten von einem Krankenhaus. Und wenn es genug war, dann halfen sie auch.

Der ZVK war schnell gelegt. Dann bekam ich etwas gegen die Schmerzen und die Kotzerei. Direkt intravenös.
Es half immer nur für kurze Zeit. Eine Pause, in der ich ein wenig schlafen konnte. Dann ging es wieder los und ich schrie nach Schmerzmittel und der Kotzschale.
Es hörte einfach nicht auf, obwohl längst der nächste Morgen war und alles wieder gut sein sollte.

J… kam nach BZ…. Mann war ich froh, ihn zu sehen. Seine Hand zu halten in dem ganzen Chaos zwischen Schmerz und kotzen.
Ich war so fix und fertig. Heulte nur noch, weil ich keine Kraft mehr hatte.

Da kam wieder eine Ärztin, auch ihr erklärte ich, dass die ganze Sache psychisch ist. Sie meinte:
»Ihre Entzündungswerte sind hoch.«

»Ja«, sagte ich unter Tränen. »Die sind in 2 Tagen wieder unten.«
So war das immer, das hat nie jemanden gestört.
»Aber wenn die Werte nach oben gehen, warum soll es dann psychisch sein«, dachte sie laut und murmelte, dass ihr das nicht gefällt. Deshalb ordnete sie eine Untersuchung an.
Eine wirklich unangenehme, wo man Kontrastmittel nicht nur trinken musste, sondern von einer netten Schwester auch im Hintern verabreicht bekam.
Das CT war aber dann zum Glück schnell vorbei und ich wurde das Zeug, zumindest von hinten, wieder los.

Nach einer halben Stunde kam die Ärztin, die sich als Doktor K… vorstellte ins Zimmer und meinte:
»Wir müssen sofort operieren, Frau Dorfner. Wir haben um 18 Uhr einen OP-Saal.
Es war 17:30 Uhr.

»Nein«, habe ich gesagt. »Ich kotze seit 2 Tagen und gehe ein vor Schmerzen. Ich habe gar nicht die Kraft für eine Operation.«
»Wir müssen. Da geht etwas vor in ihrem Darm. Das gefällt mir nicht.«
Wir diskutierten noch etwas, aber dann, ganz klar, war da wieder der vernünftige Kopf, der zustimmte.

Also wurde ich aufgeklärt, dass man erst mal schaut, ob das ganze laparoskopisch zu machen ist. Wenn nicht, dann wird geschnitten.
»Wir sehen uns gleich im OP«, verabschiedete sich die Ärztin.

Dann ging alles ganz schnell. OP-Hemd angezogen, nochmal die Zähne geputzt und von J… verabschiedet. Schon wurde das Bett mit mir drin geholt. Am liebsten wäre ich abgesprungen und davon gelaufen.
Alle waren meganett zu mir und nahmen mir, soweit möglich, die Angst.
»Denken Sie an etwas schönes«, meinte der Narkosearzt.
»Okay.«
»Ich bin neugierig«, lächelte er. »An was denken Sie?«
»London«, sagte ich. »Mit meinem Mann in London.«
»Oh, das ist ein sehr schöner Gedanke«, hörte ich ihn noch, dann wurde es dunkel.

Keine Ahnung, ob ich im Aufwachraum war. So richtig bewusst war ich auf der Intensivstation mit Schmerzen. Nach laparoskopisch fühlte es sich nicht an. Ein Blick auf meinen Bauch verriet, dass unter dem riesigen Verband etwas Größeres steckte.

Ich bekam die beste Erfindung:

Die Schmerzpumpe!
Eigentlich wird das irgendwie an der Wirbelsäule befestigt.
Mir ist das zu gruselig, deshalb habe ich ausgemacht, dass das Ding über den ZVK laufen sollte. Das ganze funktioniert so:

In dem Moment, wo man Schmerzen spürt, muss man nicht nach dem Pflegepersonal rufen, sondern drückt ein Knöpfchen an der Pumpe.
Eine bestimmte Menge an Schmerzmittel strömt durch den Körper, und kurze Zeit später ist man beinahe schmerzfrei.
»Schlagen Sie dem Schmerz ein Schnäppchen«, meinte der Arzt.
»Nicht warten, bis er unerträglich wird, dann braucht man nämlich viel mehr, um ihn wieder runter zu bekommen.«
Eine wirklich tolle Erfindung!

Doktor K… kam und erklärte, dass bei der Operation leider laparoskopisch nichts zu machen war.
»Der Dünndarm hatte ein so großes Loch«, sagte sie und zeigte mit Daumen und Zeigefinger einen etwa 2 Euro großen Kreis und erklärte weiter:

»Das war nur durch eine Darmschlinge überdeckt. Zudem waren da 20 cm total kaputt. Sowas kommt nicht von heute auf morgen. Das war länger ein Problem.«

Ich erklärte ihr meine 3 Jahre Quälerei und fragte:
»Dann waren das meine psychischen Schmerzen?«
»Ja, der Darm hat, warum auch immer, zu gemacht. Dann hat sich alles gestaut, und Sie haben die Schmerzen bekommen. Wenn der Dünndarm wieder aufmachte, konnte alles durch, und es ging Ihnen wieder gut«, erklärte sie.

Und dann hat sie etwas gesagt. Den Moment habe ich heute noch vor Augen.
Da steht Dr. K… an meiner Bettkante und lächelte:
»Sie werden ab jetzt nie wieder diese Schmerzen haben.«
Ich war in dem Moment vollkommen überfordert.

Hat sie gerade gesagt, dass diese ganze Scheiße vorbei ist?
Was redet die denn da?
Glaub ich nicht!

»Gut, dass wir gleich operiert haben«, meinte sie. »Wenn sich die Darmschlinge über dem Loch verschoben hätte, wäre das nicht gut ausgegangen.«
Darüber musste ich lange grübeln.ä

Mal angenommen, …
Ich hätte diese Schmerzen zu Hause bekommen.
Irgendwann hätte J… mich nach München gebracht, weil die Palladon nicht halfen.

Die Ärzte hätten mich gefragt:
»Was haben Sie denn Schlimmes erlebt, Frau Dorfner?«
Da man sich dort einig war, dass Frau Dorfner Psyche hat, gab es keine Untersuchungen mehr.
Die Darmschlinge hätte sich verschoben und das Loch freigegeben.
Das wäre nicht gut ausgegangen.
Was hätten die Ärzte in München dann gesagt?
»Ups?«
Tja, was für ein Glück, dass ich einen Herzstillstand hatte und zur Reha nach BZ… kam.
Das Leben geht manchmal wirklich seltsame Wege.

Ich muss zugeben, so richtig hab ich nicht geglaubt, dass die Schmerzen vorbei sein sollten.
Immer wieder kamen junge Ärzte und wollten sich die Story meiner letzten 3 Jahre anhören. Und immer wieder gingen sie mit einem Kopfschütteln.

Für mich folgte eine schwere Zeit.
Mein Glück war, dass ich einen, der wenigen Fernseher der Intensivstation bekam. Ich blieb nämlich sehr lange dort. Wie lange weiß ich gar nicht mehr. Für mich eine Ewigkeit.

Ich erinnere mich, dass ich dort Dialyse machen musste. Nicht die normale, die ich kannte. Auf der Intensivstation war das anders. Die Maschine lief da 2 oder 3 Tage kontinuierlich.
Ich hatte davon gehört, jetzt war ich mittendrin.
Zum Glück lief sie über einen Katheter, nicht über den Shunt. Da hatte ich wenigstens die Hände frei.

Trotzdem war ich ziemlich angebunden.
Neben der Maschine war da noch ein EKG, Schläuche zu Infusionen und einer zum arteriellen Blutdruck messen in der Leiste.
Die erste Zeit war das okay.
Ich war zufrieden, einfach nur da zu liegen und bei Bedarf meine Schmerzpumpe zu betätigen. Da ich sonst noch Medikamente bekam, schlief ich viel und sah in die Flimmerkiste.
Ärzte und Pflegepersonal waren echt meganett. Halfen mir, bei allem, was ich nicht alleine machen konnte. Und das war so ziemlich alles.

Als ich beim Verbandswechsel zum ersten Mal meine Narbe sah, war ich echt schockiert. Stell Dir mal nen Schnitt von weit unter dem Bauchnabel bis weit darüber vor. Kein Wunder, dass das weh tat.

Die ersten Tage gab es nichts zu essen, was mich nicht weiter störte.
Ganz langsam fing man mit Suppe und Pudding an. Und jetzt mal ehrlich.
Man möge noch so oft sagen, dass es ganz normal ist.

Dass man sich da gar nichts denken soll.
Dass Schwester und Pfleger dafür da sind.

Als ich so langsam anfing, etwas zu essen, rührte sich der Darm auch wieder. Das fanden alle super, weil das nach so einer Operation, wo man 20 cm vom Dünndarm entfernte, ein gutes Zeichen war.
Nur entschied sich mein Darm, das sehr spontan zu zeigen.
Da es nur flüssige Nahrung gab und ich nicht aufstehen durfte …
Ich denke, Du kannst es Dir – hoffentlich nicht zu bildlich – vorstellen.

Mir war das so peinlich. Am liebsten wäre ich mit samt dem Bett in einem Loch verschwunden. Da sich der Boden aber leider nicht unter mir auftat, und ich mich auch sonst nicht verkrümeln konnte, blieb mir nur eins: Ich heulte.

»Das ist ganz normal.«
»Das ist gut.«
»Dafür sind wir doch da.«
Ganz egal was man sagt, für mich ist das der Horror. Nicht nur einmal musste ich da durch, bis ich meinen Darm wieder im Griff hatte.

Wunschkost
Als ich von der Intensiv auf die Normalstation kam, hatte ich das Problem, dass ich nicht ausreichend essen konnte.

»Sagen Sie, was Sie wollen. Sie bekommen Wunschkost.«

In BZ… kam jeden Tag eine sehr nette Dame und fragte, was man essen möchte. Und tatsächlich durfte ich, im Rahmen der Möglichkeiten, meinen Wunsch äußern.
Wunschkost im Krankenhaus – eine feine Sache!

Die neue Reha
Ich sollte die angefangene Reha wieder fortsetzen. Das fand ich gut, da ich durch das lange liegen wirklich kaputt war.

Nur leider entschied die Krankenkasse, dass ich das nicht in dem Kurhaus machen durfte, wo ich vorher war, und auch in keinem anderen. Ich musste die Reha im Krankenhaus fortsetzen.
Mir ging es da nicht schlecht.
Nur war der Altersdurchschnitt sehr hoch und die Anwendungen entsprechend angepasst.

Einen sehr guten Fitnessraum gab es. Wann immer ich Zeit hatte und durfte, war ich dort.
Dieser, und die Ruhe taten mir gut.

Ich konnte zufrieden sein, lauerte da nicht bereits das nächste Problem.
Mein Bauch wurde immer dicker.
Als ich das Dr. K… zeigte, meinte sie:
»Da ist die Bauchdecke gebrochen, das muss operiert werden. Wir müssen aber ein paar Wochen warten.«
Tja, da hatte ich ja was, worüber ich mich freuen konnte.

Die Bauchdecke
Und tatsächlich freute ich mich, weil mein Bauch immer dicker wurde.
Ich sah aus, als ob ich schwanger wäre.

Also weg damit!
Ich ging da positiv rein.

Als ich die Dünndarmoperation hatte, kam ein sehr netter Doktor, der auch Schmerztherapeut war.
Meine Füße taten immer mehr weh. Die Antwort bisher war, das Palladon zu erhöhen.
Da das absolut nicht half, drehte ich fast jede Nacht durch vor Schmerzen.
Also holte man den ehemaligen Schmerztherapeuten, der jetzt Narkosearzt war.
Er erklärte mir, weil ich so lange Palladon nahm, musste man mit höheren Medikamenten einsteigen.

»Toll«, dachte ich. »Das Palladon hatte ich eigentlich umsonst genommen.«
Erst war es für den Magen und half nicht. Dann für die Füße, was ebenfalls nicht half.
Er schlug Temgesic Pflaster und zusätzlich Akut-Tabletten, ebenfalls Temgesic vor.
Er lebe hoch, der Schmerztherapeut, der eigentlich Narkosearzt war.
Die Schmerzen waren sofort besser.

Als ich vor der Bauchdecken-OP stand, war ich immer noch genau bei der gleichen Medikation.
Temgesic 52er und Tabletten.
Zusätzlich war wieder die Schmerzpumpe geplant.

Also alles kein Problem, oder?
Ich erinnere mich, dass ich in BZ… im Krankenhaus ankam.
Mein Schmerzpflaster musste vor der Operation gewechselt werden.

»Wir haben nur 35 mg da«, sagte die Schwester.
»Kein Problem«, meinte ich. »Ich hab meine dabei.«
»Ach nein«, antwortete sie.
»Wir nehmen einfach 2 Pflaster von uns.«
Gesagt, getan. Ich dachte mir dabei nichts.
Da ich bei den 52-er Pflaster keinerlei Nebenwirkungen spürte, warum dann bei 2 mal 35?

Die Operation lief gut, soweit weiß ich noch. Aber dann liegt alles, meine ganze Erinnerung, im Nebel.
J… war da, obwohl ich immer nach ihn fragte, auch wenn er neben mir stand.
Das erzählte man mir.
Und einmal war ich an der Dialyse und wollte samt Maschine weggehen.
Tatsächlich erinnere ich mich, dass ich weinend mitten im Raum stand und mich ein Pfleger schimpfte. Eine Frau tröstete mich.
J… wurde bedauert, weil er so eine Frau hat.
Keine Ahnung, was in diesen Tagen los war.
J… meint dazu:
»Sei froh, dass Du nicht alles weißt.«
Ich wüsste es schon gerne.
So fühle ich mich sehr hilflos. Ich habe die Kontrolle verloren, was für mich wirklich schlimm ist.

Ich erinnere mich, dass ich nachts aufwachte und vollkommen klar war. Mit kurzen Erinnerungsfetzen und der Tatsache, dass die letzten Tage furchtbar waren.
Und ganz viel Nebel.

Ich verlangte nach einem Doktor und sprach mit ihm über die Schmerzpumpe und anderes Medizinisches. Er sah mich an und meinte:
»Sie sind so anders als sonst.«
»Ja«, sagte ich. »Die Pflaster haben ihre Wirkung verloren. Die 2 x 35 waren wohl doch zu viel.«

Ich sagte, dass ich das der Schwester zu verdanken hatte. Aber mir wurde erklärt, dass ich das falsch sehe. Die 2 x 35 wurden mir wegen der OP-Schmerzen gegeben.
So oder so, seit diesem Vorfall habe ich größten Respekt vor Opiaten.

Da die Operation gut lief und ich wieder klar im Kopf war, konnte ich die Intensivstation verlassen.

Da hatte ich also die Sache mit meinem Arm und mit meinem Bauch überstanden.
Alles nur Psyche, die dann keine war.

Ich glaube, dass man viel zu früh abgestempelt wird, wenn im Bericht mal was von psychisch steht. Ich habe mich immer ausgeliefert und machtlos gefühlt.

5) Die erste Shunt-OP

Irgendwann in meiner Kindheit wurde bei mir der Blinddarm entfernt.
Ich kann mich eigentlich nicht so daran erinnern, außer Schmerzen vor der OP und Hunger danach. Na ja und Haferschleimsuppe, die ich seit dem nie wieder gegessen habe.

Jetzt also meine erste Shunt OP
Da ich ja dank Dr. Sch. die Wahrheit wusste, musste ich mich mit der Tatsache einer kommenden Dialyse auseinandersetzen. Ganz ehrlich, so richtig hab ich das nicht.
Aber einer Shunt-OP konnte ich nicht mehr entkommen. Also ging ich in eine Münchner Klinik.
Einen Tag vor der OP erklärte mir ein Anästhesist, dass ich in meiner Achsel eine Spritze bekomme, womit mein Arm betäubt wird. Mein Wunsch auf eine Narkose oder zumindest ein »Nickerchen« lehnte der Arzt ab.

Zu der Zeit wusste ich nicht, dass auch ich Mitspracherecht habe. Na ja, und Ärzte wussten doch am besten, was gut ist, oder? Sowas wie »Halbgötter in weiß« sehe ich auch heute noch bei alten Patienten. Auch wenn es nicht gut tut, aber der Doktor sagt …

Die Tatsache, dass ich die OP bewusst erleben würde, machte mir extrem Angst.
Abends in der Raucherecke, die gab es damals noch im Krankenhaus, redete ich mit 2 Patienten, die die Prozedur bereits hinter sich hatten.
»Nach der Spritze dauert es einige Zeit, dann kribbelt es und dann ist es, als ob der Arm gar nicht mehr vorhanden ist. Man kann ihn dann nicht mehr bewegen.«
»Und die Spritze?«, fragte ich. »Tut das weh?«
»Nur ein bisschen. Ein Piecks, und dann drückt es. Nicht schlimm.«
Na hörte sich doch gar nicht so übel an. Bis auf die Spritze natürlich. Ich hatte und habe noch heute panische Angst davor. Ich hab aufgegeben, dass sich das jemals ändert.

Der nächste Tag kam.
So ist das. Egal, ob man sich freut oder nicht. Ich fand das viele Male, wie auch an diesem Tag, ganz fürchterlich.

Ich wurde für die OP vorbereitet.
Mein Arm wurde desinfiziert und abgeklebt. Dann kam die Spritze!
Wenn man bedenkt, dass sie bereits beim Anblick weh tat, war das gar nicht so schlimm. Ich fand, dass ich das mit nur einem Tränchen tapfer überstanden hab.
Dann … warten, warten … kein Kribbeln … warten … der Arm wurde nicht taub … warten … kein Kribbeln.
Ein Mann im weißen Kittel kam und meinte:
»Los gehts«, und schob mein Bett Richtung OP-Saal. Ich hob den Arm. Der, der eigentlich betäubt sein sollte und winkte.
»Hallo, ich kann den Arm noch bewegen. Müsste das nicht anders sein?«
»Das wird schon noch, bis wir im OP sind«, war seine Antwort.

Auch dort habe ich immer wieder darauf hingewiesen, dass ich den Arm noch bewegen konnte. Und dass mir Mitpatienten das ganz anders erklärten.
Mein Arm wurde fixiert. Damit konnte ich ihn zwar nicht mehr bewegen, aber taub war er trotzdem nicht.
Nach Diskutieren und erklären tat ich das Einzige, was ich noch tun konnte:
ICH HEULTE!
Tränenüberströmt erklärte ich dem Narkosearzt hinter mir, dass ich sicher bin, dass der Arm nicht betäubt war. Aber auch der zeigte kein Erbarmen und sie fingen mit der OP an.
Mit dem ersten Schnitt folgte mein erster Schrei.
Der Beweis, dass da was nicht stimmte. Na ja, zumindest für mich. Anstatt irgendwas zu unternehmen,operierte man einfach weiter.

UNVORSTELLBAR!
Hätte mir jemand DAS vorher erzählt, hätte ich es niemals geglaubt.

Aber nun steckte ich in dieser Situation, und es war nicht so, dass ich selbst daran etwas ändern konnte.
Ich lag in diesem viel zu kalten OP-Saal, auf dieser Liege, die zu hart war, festgeschnallt, unfähig mich zu wehren. Und man operierte mich an meinem nicht betäubten Arm.
Tränen liefen mir über das Gesicht. Schmerz, Verzweiflung und Wut, was niemanden interessierte. Was einen von innen auffrisst, zerbombt, kaputt macht und Narben hinterlässt.
Ich habe geweint, gebettelt und gefleht.
Ich wollte nur weg von dieser Situation, diesem Schmerz, diesem Horror!

Ich erinnere mich an 4 Sachen:
1 Jemand sagt, ich soll mich nicht so aufregen.
2 Jemand sagt, ich soll still halten.
3 Jemand sagt zu einem Anderen, er soll den Arm halten, auch wenn er sich draufsetzen muss.
4 Der Narkosearzt hinter mir wischt die Tränen aus meinem Gesicht und sagt:
»Sie kann nicht mehr.«
DANKE!

Danach bin ich eingeschlafen.
Als ich im Aufwachraum wach wurde, kam ein Arzt und teilte mir mit:
»Die Operation hat leider nicht geklappt, weil sie nicht still gehalten haben. Wir müssen das wiederholen.«
Ich bin wieder eingeschlafen und war der Meinung, dass ich geträumt hatte.
OP wiederholen … ein Traum!
Und wenn nicht, dann mache ich das garantiert kein zweites Mal mit.
NIEMALS!

Leider war dieser Shunt unbedingt notwendig. Also entschied mein Kopf, wie so oft, obwohl alles in mir ›Nein‹ schrie.
Diesmal mit Narkose oder dgl. ohne Zwischenfälle – glaube ich zumindest.
Ich hab geschlafen und der Shunt funktionierte.

Ich weiß noch, dass mich meine Eltern besuchten. Mein Vater erzählte, dass ihm der Arzt sagte: »Ihre Tochter hat auf dem OP-Tisch Tango getanzt.«
Wir alle lachten.
Aber in den letzten 30 Jahren bin ich jedes Mal durch diesen Horror gegangen, wenn auch nur ›örtliche Betäubung‹ oder ›Teilnarkose‹ erwähnt wurde. Und das wurde es noch oft, bei unzähligen Shunt-Operationen.

An diese ersten zwei Shunt-OPs erinnern mich 2 Narben nebeneinander. Ich vermeide, sie anzusehen, weil ich heute noch, an den Schmerz denke.

Heute weiß ich, dass man bei jedem Eingriff die Möglichkeit einer kurzen Narkose oder zumindest ein Nickerchen verlangen kann. Das würde mir so nie wieder passieren, denn ich weiß, dass man als Patient viel mehr Mitspracherecht hat, als einem manchmal gesagt wird.